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Wir bleiben dran!


Nachgang zur offiziellen Beteiligung

Zu Beginn erläuterte Katrin Oser, Projektleiterin Klybeckplus des Kantons, die vier Vorschläge noch einmal kurz. Die darauf folgenden Diskussionen und Betrachtungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

50’000m2 Wirtschaftsfläche

Die vom Kanton geplanten 50‘000 m2 Wirtschaftsfläche werden als problematisch wahrgenommen. Zuerst einmal herrscht Unklarheit über die beabsichtigte Verwendung dieser Zone. Offiziell handelt es sich um Zone 7 (Industriezone), die hohe Lärmemissionen und Umgang mit gefährlichen Substanzen erlaubt. Welche Art Gewerbe soll denn angesiedelt werden? Erwähnt werden von den Planungspartnern eher ‚unproblematische’ Branchen wie Forschung oder Büros, nicht klassische Schwerindustrie. Warum braucht es Zone 7? Warum wird die Fläche nicht auf mehrere kleinere verteilt? Warum werden nicht eher Mischzonen geplant (ohne Lärmemission und gefährliche Stoffe)?

Die frühe Festlegung der 50’000m2 grossen zusammenhängenden Gewerbefläche durch den Kanton erweist sich als Klotz am Bein für eine schlüssige Planung des Klybeckareals. Die Fläche ist zu gross, als dass sie sich sinnvoll eingliedern liesse. Sie entpuppt sich als Störfaktor, der bei allen Vorschlägen zu nachteiligen Lösungen führt. Sie bleibt ein Fremdkörper, der andere Inhalte behindert. Die Verbindung zwischen Rhein und Wiese ist fundamental wichtig für das neue Quartier. Durch die Gewerbezone werden diese Verbindungen stark eingeschränkt, die vorliegenden Vorschläge wirken in diesem Punkt alle nicht geglückt.

Etappenweise Entwicklung

Die Modelle sind ausgestaltet und zeigen das Ende einer langjährigen Entwicklung, die zu 100 Prozent umgesetzt ist. Zu wenig formuliert werden die etappenweise Entwicklung und die Chancen, die daraus entstehen. Zum Beispiel kann OMAs Backbone sehr unterschiedlich interpretiert werden. Entweder als ein durchgeplantes, hochdesigntes Repräsentationskulturband mit teuren Museen und Theatern, das keine weitere Entwicklung mehr zulässt. Oder aber als Freifläche, die zuerst über kleine kulturelle Projekte wächst, zu denen später einzelne Zentren aus umgenutztem Bestand dazu kommen und die am Ende mit grösseren Projekten komplettiert wird. Bei dieser Variante würde eine gesunde Mischung entstehen aus alternativen, klein budgetierten Projekten und grösseren Institutionen, die mit höherem Etat operieren und auf ein anderes Publikum ausgerichtet sind. So ist die Idee eines Bandes von der Wiese bis zum Rhein attraktiv. Es würde eine starke Ausstrahlung ins ganze Quartier haben, da es unterschiedliche kulturelle Bedürfnisse bedienen könnte.

Wichtig sind etappenweise Entwicklungen, die Raum lassen für Freiflächen und sozial und ökologisch nachhaltige Projekte. Die Stadt Basel ist darauf angewiesen, dass nichtkommerzielle Projekte entstehen, die von den Einwohnern selber getragen und in Anspruch genommen werden können. Nur wenn Freiräume entstehen, die von der Bevölkerung - in Eigeninitiative oder mit städtischer Unterstützung – eigenverantwortlich genützt werden können, entsteht ein Stadtteil, der in seiner Basis mit der Bevölkerung verbunden ist. Schrittweise Entwicklungen befördern langfristig ganz eigene Qualitäten, die nicht planbar sind.

Blockrand

Blockrand wird als gute Möglichkeit bewertet, den Charakter der umliegenden Quartiere aufzunehmen und das neue Quartier mit der Nachbarschaft zu verweben. Es ist dabei aber unbedingt auf kleine Parzellierung zu achten. Blockrand führt nur dann zu einem lebendigen und atmosphärisch ansprechenden Lebensraum, wenn die einzelnen Bauprojekte klein parzelliert sind und so eine ansprechende und abwechslungsreiche Fassadengestaltung den öffentlichen Raum charakterisiert.

Unbedingt zu vermeiden sind überdimensionierte Blockrandbauten, die ganze Strassenabschnitte dominieren. Die anonymisierende Wirkung solcher Bauten ist massiv und liegt überhaupt nicht im Interesse der Bevölkerung, die sich mit einem neuen Stadtteil identifizieren möchte. Strassenzüge, die mit grossen Parzellen bebaut sind, erschweren die Entstehung von nachbarschaftlichen Beziehungen und lebendigem Quartierleben. Beispiele wie der Voltaplatz oder die Messe zeigen dies deutlich. Eine gesetzliche Festlegung, die dazu führt, dass Blockrandprojekte gut rhythmisiert werden, wäre eine Möglichkeit, das Quartier im Sinne einer lebendigen Vielfältigkeit zu entwickeln.

Inhalte

Die vorliegenden Testplanungen sollen das Potenzial des zukünftigen Quartiers aufzeigen. Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Freizeit, öffentliche Räume werden aber nur im Grundsatz verortet und thematisiert, konkrete Inhalte fehlen weitgehend Die Anwesenden möchten ab sofort einen Diskurs darüber zu führen, wie die verschiedenen Zonen bespielt werden sollen, wie diese im Detail gestaltet werden sollen, welche Bedarfsgruppen angesprochen und in welchem Preissegment die verschiedenen Angebote (Wohnen, Freizeit) ausgestaltet werden sollen. Es ist richtig, diesen Diskurs schon in dieser frühen Planungsphase zu beginnen, da die Meinungsbildung Zeit benötigt, und sich eine Einigung darüber nicht von heute auf morgen einstellen kann.

Sockelnutzung

Die Sockelnutzung über das ganze Areal wird grundsätzlich begrüsst. Häuser, die bis ins Parterre bewohnt werden, sollen die Ausnahme bleiben. Mischnutzungen sind erwünscht. Zu bedenken ist, dass es genügend KonsumentInnen braucht, um Sockelnutzungen wirtschaftlich tragfähig zu machen. Die Nutzungen sollen abwechslungsreich und vielfältig sein, Mononutzungen wie z.B. die Kindertagesstätten Erlenmatt sind zu vermeiden. Verbilligte Mieten in den Erdgeschossen erweitern die Angebotsmöglichkeiten.

Landkauf durch den Kanton

Wiederkehrend taucht die Forderung auf, der Kanton solle möglichst viel vom Areal selber kaufen und dadurch Projekte auf Basis von Baurechtsverträgen durch Stiftungen, Vereine und Genossenschaften ermöglichen. Der Kanton wird aufgefordert, renditeorientiertes Denken und Handeln nicht prioritär zu behandeln, sondern die Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu stellen und wirtschaftlichen Druck abzufedern.

Flussufer

Die TeilnehmerInnen begrüssen die Öffnung des Rhein- und des Wiesenbords für die Öffentlichkeit. Sie betrachten das als eigentlich selbstverständlich. Auch nur teilweise private Uferzonen würden ausschliessend wirken und die Befürchtung nähren, dass eine Planung für privilegierte Kreise Teil der offiziellen Strategie ist. Das spricht aber nicht gegen Wohnmöglichkeiten innerhalb der Uferzone, allerdings mit offenen Zugängen, ohne private Gärten und mit öffentlichen Nutzungen kombiniert.

Bestand

Der Erhalt des Bestandes hat Vorrang vor Neubauten, darüber herrscht Einigkeit.

Verkehr

Die Testplanungen gehen konventionell mit Verkehr um. Nur OMA stösst eine Diskussion an mit weitgehend verkehrsarmem Konzept mit Parkhäusern am Rande des Areals. Die TeilnehmerInnen erwarten, dass innovativ mit MIV und ÖV umgegangen wird. Eine konventionelle Verkehrsplanung ist nicht erwünscht.

Zustimmung finden verkehrsberuhigte oder verkehrsfreie Strassen, wie z.B. die Mauerstrasse im Entwurf Diener & Diener. Solche Strassen laden dazu ein, den öffentlichen Raum inhaltlich verdichtet zu gestalten, es gibt Raum für Belebung und Projekte, die Begegnung und Gemeinschaftlichkeit fördern.

Öffentlicher Raum, Wasser

Ideen wie ein Hafenbecken (mit vielfältiger Nutzung für verschiedene Gruppen), ein Überlaufbecken, die Vergrösserung des Horburgparks stossen auf positives Echo. Sie wirken identitätsstiftend, grosszügig und abwechslungsreich. Der Hafen könnte mit der Wiese verbunden werden. Da das Areal zwischen zwei Flüssen liegt, könnte Wasser überhaupt ein prägendes Element des neuen Quartiers sein. Es wird die Frage diskutiert, ob viele kleinere Grünflächen, verteilt über das ganze Gebiet vorteilhafter sind als eine grosse Grünfläche. Grosse Flächen können auch trennend wirken.

Statement

Als Beispiel für Nutzungen, die nahe an der Bevölkerung sind, kann folgendes Statement gelten: Kein Hotel, sondern Jugendherberge, kein Yachthafen, sondern Schwimmbecken, kein Hochhaus, sondern „Freaktower“.

Sportanlagen

Bei allen vier Vorschlägen kommt das Thema Sport zu kurz. Das oft erwähnte 50m –Hallenbad oder Sportfelder entsprechen einem grossen Bedürfnis und müssen in der weiteren Planung eine prominente Stellung erhalten.

Labor

Der Begriff des Labors/ Laboratoriums, der von Alfred Speer gesetzt wird, findet Anklang. Dieser Begriff taucht auch in den Vorschlägen des Verein Zukunft.Klybeck auf. Allerdings ist die Idee genauer zu fassen. Grundsätzlich verstehen die Teilnehmenden darunter die Verfolgung von innovativen Konzepten in allen Bereichen, vom Verkehr bis hin zu neuen Wohn- und Arbeitsformen.

Der von A. Speer vorgelegten Entwurf des Laboratoriums mit seinen Hochhäusern schrecken einzelne Teilnehmende ab. Wie kann man eine City gestalten, die für alle soziale Schichten zugänglich ist, so dass kein Ghetto des Kommerzes entsteht? Wie kann man gewährleisten, dass im 24h-Labor nicht nur H&M und Starbucks Platz finden, sondern auch lokale Projekte? Sollten sich nur grosse Unternehmen die Mieten leisten können, wäre die Planung an der Bevölkerung vorbei gegangen.


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